Was ist
Judo?
Judo ist eine besonders
„weiche“ japanische
Verteidigungssportart.
Sie ist fast für jeden
geeignet, für Kinder,
Jugendliche und
Erwachsene, für Mädchen
und Frauen und für
Jungen und Männer.
Judo ist eine olympische
Sportart und
gleichzeitig im Sinne
seines Begründers Jigoro
Kano
(1860-1938) ein Weg zu
mehr Selbstsicherheit
und Selbstvertrauen.
„Judo“ bedeutet
„der sanfte Weg“.
Judo ist eine
Zweikampfsportart mit
viel Körperkontakt.
Anders als beim Karate
schlagen und treten
Judoka (Judo-Übende)
nicht.
Wir lernen, die Nähe
eines Übungspartners
auszuhalten, ihn durch
Körperkontakt zu werfen
und zu kontrollieren.
Was „bringt“ mir
Judo?
Judo ist ein Sport, der
Kraft, Ausdauer,
Koordination und
Beweglichkeit fordert
und durch
verschiedenste
abwechslungsreiche
Spiel- und Übungsformen
fördert. Judo
unterstützt die
motorische Entwicklung
von Kindern, vor allem
die Rumpfstabilität, die
Gleichgewichtsfähigkeit
und die
Körperwahrnehmung. Der
große Anteil Bodenarbeit
schult
die Beweglichkeit. Beim
Judo erlernt man Wurf-
und Grifftechniken, mit
denen man sich
gegen einen Angreifer
verteidigen kann. Die
Falltechniken helfen
Kindern und Erwachsenen
nicht nur bei Eis und
Schnee.
Dabei ist Judo individuell. Jeder
entwickelt sich nach
seinen Fähigkeiten und
seinem können weiter. In einer
Judo-Gruppe gibt es
keine Konkurrenz, denn
wichtig ist die
Ernsthaftigkeit mit der
jeder für sich selbst an
den Techniken und
Übungsformen arbeitet,
wichtig ist der
individuelle
Fortschritt.
Wer länger pausiert
macht einfach weiter,
wenn er/sie wieder Zeit
hat.
Zugleich ist Judo
sozial, denn Judo ist
ein Partnersport. Wir
finden uns nach Gewicht,
Technik oder Graduierung
immer neu zusammen. In
Kindergruppen wechseln
die Partner in
einer Stunde viele Male.
Auch unsere Jugendlichen
trainieren „gemischt“.
Wir lernen uns auf
neue Partner
einzustellen. Dabei
zählen vor allem
Hilfsbereitschaft beim
üben (damit wir
beide etwas lernen
können) und
Wertschätzung des
Partners (damit keiner
den anderen
verletzt).
Als Eltern und Lehrer
schätzen wir am Judo die
Möglichkeit, Werte zu
vermitteln.
Auch im härtesten
Gegeneinander beim
Wettkämpfen oder Randori
(Übungskampf) ist der
„Gegner“ immer noch
Partner. Die Judoka
danken ihrem „Gegner“
dafür, dass er mit ihnen
übt und kämpft, mit
einer Verbeugung.
Hautnah erlebt man beim
Judo Fairness,
Hilfsbereitschaft und
Verantwortung für den
Partner. Unsere Trainer leben ihren
Schülern die Werte des
Judo vor. Die Kinder
sollen
ihre Trainer nicht nur
als Bewegungs-, sondern
auch als Lebensvorbild
kennen lernen. Es ist
also kein Wunder, dass
bereits unsere
jugendlichen Judoka ihr
Wissen gerne an die
jüngeren
Kinder weitergeben.
Judotraining wie
geht das?
Eine normale
Trainingsstunde
Wer neugierig geworden
ist, darf gerne einmal
bei einem Training im
Hallen-Dojo zusehen oder
bei einer
Schnupperstunde
mitmachen. Dojo
bedeutet übrigens
Übungsstätte; Dojo
bedeutet aber zugleich
auch die Gemeinschaft
der Judo-Übenden. Nach
der Überlieferung ist
ein Dojo "die
Stätte des Studiums des
Weges".
Dort
kann er oder sie
folgendes beobachten:
Die Trainierenden
(Judoka) kommen etwas
vor der Trainingszeit
(ca. 10 - 15 Minuten
vorher) und legen
gemeinsam die
Mattenfläche (Tatami)
aus.
Sie tragen einen
Judoanzug (Judogi) aus
Baumwolle, an dessen
Jackenrevers man
gut anfassen kann. Je
nach Ausbildungsgrad
sind die Farben der
Gürtel
verschieden. Für die
erste Zeit genügt ein
langärmeliges Sweatshirt
und eine lange
Jogginghose. Die
Sportler sind barfuss,
ihre Latschen (Zori)
stehen am Mattenrand.
Bevor es „richtig“
losgeht, setzen sich die
Schüler dem
Ausbildungsgrad nach
ihrem
Judolehrer auf den Knien
gegenüber. Der „älteste“
Schüler oder der Lehrer
leitet die
Begrüßungszeremonie mit
„Mukuso“ ein. Dann ist
jeder still, denn jetzt
wollen wir nur
noch ernsthaft Judo
üben. Derselbe Schüler
oder der Lehrer leitet
mit „Sensei ni rei“
oder „Rei“ die
anschließende höfliche
Verneigung voreinander
ein.
Nach kurzer Ansprache
wärmen sich die Kinder
und Jugendlichen mit
judotypischen
und anderen Spielen und
Übungen auf. Bei den
Erwachsenen wird
besondere
Rücksicht genommen auf
die Bedürfnisse und
Fähigkeiten des
Einzelnen. Wenn
Muskeln und Bänder
geschmeidig und die
Gelenke „geschmiert“
sind, erlernen und
wiederholen die Judoka
meist die Fallübungen,
die sie vor Verletzungen
bewahren:
Die Seitwärts-Fallübung:
Diese Übung sieht aus
wie die Grätsche beim
Fußball oder das
Ausrutschen auf
einer Bananenschale. Sie
ist extrem
alltagsnützlich, z.B.
beim Ausrutschen oder
Hinfallen auf ebenem
Boden. Die Judorolle:
Wer aus seiner
Vorwärtsbewegung
stolpert oder plötzlich
gebremst wird, z.B. beim
Inline-Skaten, fällt
meist auf die Hände
(Splitterbruch des
Unterarms, selbst mit
Schutz), die Unterarme oder das Gesicht (Helm
hilft da wenig).
Wir wollen die Vorwärts-
Energie einfach in ein
Abrollen umwandeln.
Die Judorolle geht
schräg über eine
Schulter hinweg und ist
leichter als ein
Purzelbaum. Kopf und
Nacken berühren den
Boden nicht und werden
dadurch
geschützt. Ein Arm geht
der Bewegung wie ein
„Überrollbügel“ voraus. Die Rückwärts-Fallübung:
Wir können rückwärts
stolpern und je nach
Fallenergie sanft über
Po und Rücken bis
zu den Schultern rollen
und wieder zurückwippen,
aber auch gleich eine
Rückwärtsrolle über die
Schulter anschließen. In
beiden Fällen gehen wir
zuvor mit
einem Bein in die Hocke
und stürzen dadurch
nicht aus großer Höhe,
sondern rollen
sanft ab.
Würfe, Bodentechniken,
Randori:
Wenn die Judoka die
Fallübungen beherrschen
(und nur dann!), dürfen
sie geworfen
werden. Das macht Spaß
und ist ganz angstfrei,
weil wir unserem Partner
vertrauen
können: Er wird uns so
werfen, dass wir wie
zuvor geübt auf die
Matte aufkommen.
Er kontrolliert den
Partner während des
Judowurfes;
unkontrolliertes
Schubsen oder
Stürzen gibt es im Judo
nicht.
Jeder Wurf wird in
Teilen erlernt, sauber
vorgemacht und gründlich
geübt. Die Würfe
haben japanische Namen
und werden in
Technik-Gruppen
(Hüft-,
Schulter-, Fuß-/Bein- und
Selbstfallwürfe)
eingeteilt.
Wer seinen Partner
geworfen hat, lernt ihn
am Boden festzuhalten,
umzudrehen und
zu kontrollieren. Vor
allem die Bodenarbeit
macht Anfängern
besonders viel Spaß,
denn hier kann man mit
fast gar keinem
Verletzungsrisiko schon
von der ersten
Judostunde an voll
mitmachen, d.h. sich
auch im Gegeneinander
messen können.
Beim üben der Wurf- und
Bodentechniken ist unser
Partner wichtig, er ist
unser
Judo- Kumpel.
Judoka
sind nett zueinander,
zuverlässig und
verantwortungs- bewusst.
Wie schaffen wir es
dann, dass wir im
Ernstfall einen
Bösewicht trotzdem
wirkungsvoll abwehren
können?
Durch Randori! Nach
engen Regeln, die
Verletzungen vermeiden,
messen die
Judoka ihre
Geschicklichkeit
(natürlich auch Kraft)
und besonders den Erfolg
ihrer
Techniken in einem
kurzen (übungs-) Wettkampf.
Erfahrungen sammeln ist
hier
wichtiger als Sieg. Es
kommt darauf an, die für
die Techniken günstigen
Situationen
schnell zu erkennen und
auszunutzen. Manchmal
kann man Techniken
kombinieren,
um den Partner in seinem
Gleichgewicht zu
erschüttern, ein anderes
Mal kann man
den Wurf des Partners
für sich nutzen und ihn
kontern.
Wettkampf
Judo:
Erst nach einiger Zeit
sind Judoka
Technik - erfahren und
bewegungssicher genug,
um
zu einem echten
Wettkampf zu fahren.
Wettkampfjudo wäre nicht
möglich ohne Betreuer
(meist Eltern und die
Trainer), die
die Kämpfer hin- und
zurückfahren, zum Wiegen
begleiten, den Judo-Pass
bereithalten und evtl.
die Startgebühr
auslegen, das Aufwärmen
leiten, für rote und
weiße Kampfgürtel
sorgen, mit Rat und
Trost parat sind, Erste
Hilfe leisten, wenn
nötig.