Jean- Jacques Komosinski

Jean-Jacques Komosinski, 4. DAN, VfL Wolfsburg im Vorstand tätig.
Ich bin 1951 in Douai Frankreich geboren -daher stammt mein Vorname Jean Jacques. Ich bin zweisprachig aufgewachsen. In Merkstein/Herzogenrath (NRW) verbrachte ich meine Kindheit. Seit 1964 betreibe ich Judo.
In Aachen habe ich 1969 eine Lehre als Stahlbauschlosser abgeschlossen,
1978 den Meisterbrief in Wolfsburg/Lüneburg IHK absolviert,
1983 die Schule und Prüfung zum REFA Systemorganisator in Wolfsburg abgeschlossen.
Ich bin Vater von vier Kindern und drei Enkelkindern.
Ich lebe seit 1971 in Wolfsburg. Die damalige Sportförderung der Volkswagen AG hat um mich geworben und mir einen Arbeitsplatz angeboten, den ich mit meinem Sport verbinden konnte und somit mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Zuletzt  war ich in der Konzernqualitätsanalyse als Technischer Sachbearbeiter tätig. Seit Dezember 2006 bin ich in Altersteilzeit.
Meinen besonderen Dank gilt der Volkswagen AG für diese Fördermaßnahmen.
1. Wie war Dein sportlicher Werdegang?
Wie ich zum Judo gekommen bin:
Mit 14 Jahren hat mich mein um ein Jahr jüngerer Bruder (Siegfried) beim Rumalbern mit einem Judowurf (Uki Goshi = Kleiner Hüftschwung) zum Fallen gebracht. Bis dato war ich der Größere und Stärkere von uns beiden. Dermaßen erschrocken und gleichzeitig fasziniert, wie mein Bruder Siegfried mich mit wenig Kraft dafür mit Schnelligkeit von den Füssen hob, entschloss ich mich, mit dem Judosport zu beginnen. Mein erster Judo Verein war der SVS Merkstein. Die Trainer Woltermann/Krämer, Kampfgemeinschaft SVS Merkstein/JV Herzogenrath bemerkten schnell, dass ich ehrgeizig und talentiert war, um Judo zu lernen.
Schnell darauf folgten Kreis- und Bezirksmeisterschaften bei den ich bereits als Gelbgurt den ersten Platz belegte und hierbei höher graduierte deplatzierte. Jetzt wurden auch die umliegenden Vereine aufmerksam, so dass ich für die Judokampfgemeinschaft Kohlscheid kämpfte. Auch für den Aachener Judoclub habe ich gekämpft. Da in den umliegenden Vereinen Trainingspartner fehlten, bin ich 4 - 5 mal wöchentlich zum Training u. a. nach Holland (Brunsum, Kerkrade, Heerlen), Aachen und Heinsberg gefahren. Samstags fuhr ich nach Köln im Judoclub von Wolfgang Hofmann, um mit damaligen Judogrößen wie Reinhard Otto, Alfred Maier, Wolfgang Hofmann, Hartmut Riederich zu trainieren. Hier wurde mir klar: Wer an der Spitze will, muss hart an sich arbeiten! Es folgten viele Lehrgänge in Hennef mit dem Trainer M. Ohgo
Ich ging als Sieger vieler Jugend- und Juniorenmeisterschaften nach Hause, auch bei Turnieren in Holland und Belgien. Im Halbschwergewicht, damals noch bis 93 kg, wurde ich Westdeutscher Meister Junioren in NRW.
1971 sprach mich Klaus Höller, in Brunsum, Holland während eines Turniers an, ob ich Interesse hätte, mit Klaus Glahn und vielen anderen Spitzenjudotalenten aus Deutschland in Wolfsburg zu trainieren und  bei VW zu Arbeiten. In Wolfsburg wurde erstmalig ermöglicht, den Judoleistungssport mit Arbeit zu verbinden. Diese Möglichkeit mit professionellen Trainern wie Han-Ho-San aus Korea, Klaus Glahn, Albert Verhülstong, zu einem Spitzenjudoka zu werden, habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Mein Credo war, Judo in Perfektion auszuüben.
In Wolfsburg wurde1970  über die Sporthilfe (Joseph Neckermann) ein Leistungszentrum aufgebaut, bei dem Klaus Glahn mit der Initiator war.
Kurz entschlossen bin ich im Juni 1971 mit Richard Pütz und Klaus Höller nach Wolfsburg gefahren und habe bei Volkswagen einen Job begonnen.  Endlich konnte ich in Wolfsburg Judotraining mit Spitzenjudokas betreiben und vor allem mit dem besten Trainer den Deutschland hatte -  Han-Ho-San. Es bedeutete für mich eine große Umstellung, denn Han Ho San war auch ein knallharter Trainer der einem alles abverlangte wie Disziplin, Ausdauer und Geduld. Ich habe sehr viel bei ihm gelernt und somit ihm viel zu verdanken.
Wie oft ich mit Muskelkater zur Arbeit ging, weiß ich nicht mehr. Seitdem ist Judo mein Leben.
2. Was waren meine größten sportlichen Erfolge?
Im Schwergewicht +95kg, Gewicht 105kg

3 x

Deutscher Meister 1977 / 78 / 79 Senioren

6 x

dritten Platz bei Deutschen Einzelmeisterschaften

4 x

zweiten Platz bei Internationaler Deutscher Meisterschaft

3 x

dritten Platz bei Internationaler Deutscher Meisterschaft

7 x

Deutscher Mannschaftsmeister mit dem VfL Wolfsburg

3 x

Mitropa Pokalsieger 1977 /78 / 79 (kl. Europameisterschaft) im einzeln

5 x

Teilnahme an Europameisterschaft

11 x

Norddeutscher Meister in Junioren/Senioren

2 x

Europacup Meister

1 x

dritten Platz bei Internationaler Meisterschaft in Paris (Weltranglistenturnier)

1 x

ersten Platz bei Internationaler Meisterschaft in Budapest (Weltranglistenturnier)

62 x

Einberufung zur National-Mannschaft

3 x

Westdeutscher Meister Junioren in NRW

3 x

Internationaler Niederländischer Meister

2 x

Internationaler Schweden Meister

1 x

Internationaler Dänemark Meister

 

In Deutschland 5 Jahre Ranglisten erster

 

Olympiaqualifikation für Montreal 1976, durch schwere Verletzung Teilnahme abgesagt
Olympiaqualifikation für Moskau 1980, durch internationalen Boykott keine Teilnahme.

 

 

Hattest Du eine „Spezialtechnik“?
Ja,  O-soto-gari,  dann die Kombination O-uchi-gari links und mit Sasae-tsuri-komi-ashi rechts werfen, sowohl den Uchi Mata, Harai-gochi und De-achi-barai. Im Boden gerne Marhenke - Würger.
4. Wie hat das Judo Dein Leben geprägt?
Mein Leben ist vom Judo geprägt. Wir Wolfsburger Judoka waren die Judohochburg in Deutschland –  Viele Neider und Augen haben auf den Olympiastützpunkt Wolfsburg geschaut und somit war es unabdingbar, dass wir/ich auch eine Vorbildfunktion hatten. Ich speziell habe in Wolfsburg und Umgebung viele Judo Präsentationen für Jugendarbeit durchgeführt. Durch unsere Erfolge, haben sich die Medien wie Zeitung, Fernsehen und Radio für uns interessiert. Somit wurden wir/ich über Wolfsburg hinaus bekannt. Noch heute werde ich auf meine Judoerfolge von einst angesprochen.
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. Welche Vorbilder hattest Du?
In der Jugend waren es meine Trainer beim JC Herzogenrath, Günter Kremer und Hans Vornhold. Gefolgt von Wolfgang Hofmann, Kölner Judoverein, dem ich einiges zu verdanken habe. Später war mein großes Vorbild Wim Ruska, Olympiasieger und Weltmeister, mit dem ich in Holland trainieren durfte. Last but not least ein Vorbild, welches mein Judoleben geprägt hat, war und ist Klaus Glahn.
6. Wie hat sich der sportliche Wettkampf verändert?
Im Wesentlichen hat sich nicht viel geändert, da Judo eine Traditionssportart ist und man hierbei auf einen Überraschungssieg wartet und seine Technik eben dann einsetzt, wenn es der Gegner nicht erwartet. Die Technik/Kondition ist weiterhin massgebend für jeden Judoka seinen Gegner  zu besiegen. Man muss die Techniken automatisieren und sich gleichzeitig mental auf den Gegner einstellen. Die Kondition und körperliche Verfassung muss auch stimmen. Sowohl die medizinische Betreuung als auch das Training der Athleten wird heutzutage spezieller ausgerichtet, um an hochrangigen Wettkämpfen teilzunehmen und erfolgreich zu sein.
7. Wer war für Dich damals Deutschlands bester Judoka – wer ist für Dich heute Deutschlands größtes Judotalent?
Ich möchte an dieser Stelle einige gute deutsche Judokas nennen: Klaus Glahn (Schwergewicht), Wolfgang Hofmann (Mittelgewicht),  ab 1980 Frank Wienecke, Alexander v. d. Gröben, Engelbert Dörbrandt.
Heutige Talente: Ole Bischof, Christophe Lambert (bis 81kg), Dimitri Peters (bis 100kg).
8. Wo stehen Deiner Meinung nach Deutschlands Judoka heute im internationalen Vergleich?
Im internationalen Vergleich hat meiner Meinung nach die Deutsche Mannschaft allerbesten Chancen, Spitzenplätze zu erlangen.
9. Welchen Rat kannst Du jungen Budoka auf ihren sportlichen Weg mitgeben?
Dem jungen Budoka gebe ich als Tipp mit auf dem Weg:
- nicht gleich aufgeben, wenn es einmal nicht klappt
- seine Schwächen analysieren und abschalten
- seine Stärken analysieren und sie noch mehr stärken
- diszipliniert leben und vorgeben
- Willenskraft…trainieren und sie bewusst einsetzen
- Fairness und Respekt anderen gegenüber, auch den Schwächeren, zeigen und vorleben.
10. Du bist im Vorstand des VfL Wolfsburg e.V. tätig. Welche Ziele hast Du Dir  gesetzt?
Meine Ziele sind:
1. Eine gute Zusammenarbeit beim VfL Wolfsburg und über die Grenzen hinaus.
2. Den gesamten Judo,-Ju Jutsu ist dahingehend zu entwickeln, dass der gesamte Bereich
    Jugend/Senioren  und der Leistungssport
 wieder nach vorne kommt. Die Mitglieder von  unserer
     ehrenamtlichen Arbeit zu überzeugen, so dass sich die Mitgliederzahlen wieder erhöhen.
4. Finanzielle Mittel bedarfsorientiert den Mitgliedern zuzuführen
5. Aufbau der Jugendarbeit in Kitas und Schulen.

 

Die Bundesligamannschaft der ersten Stunde beim VfL Wolfsburg

 

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